Lyrik & Jazz

 

Man mag fragen warum eine improvisierte Musik zu einem sorgfältigst und langwierig gestalteten Text überhaupt passen mag. Aber in Anbetracht der durchaus strengen Regeln der Jazz-Improvisation und in Anbetracht der größer als erwarteten Freiheit bei der Interpretation eines gedruckten Texts finden die Pole dann doch zusammen. Bei großen Musikern sind die der Improvisation zugrundeliegenden Themen nicht gerade aus dem Ärmel geschüttelt, obwohl Genies durchaus auch sorgfältig wirkendes aus dem Ärmel schütteln mögen. Dem gehen jedoch komplizierte Denkprozesse voraus. Und der Stil, die Wahl von Instrument und Ton sowie die Wahl und Behandlung des Themas beruhen auf lebenslangem Bemühen. Aber letzten Endes geht alles auf Ausdruck und Freiheit zurück: Einem Dichter wie Rilke war es ganz selbstverständlich, gegen die Regeln der Sprache insofern anzugehen, dass seine Worte und die ihnen beigemessene Bedeutung nicht in Sätze aus der üblicherweise gültigen Sprachkonvention passen wollen. Und man kann den Text laut oder leise, schnell oder langsam, mit allen darin enthaltenen Zwischentönen sprechen oder auch lautlos für sich lesen. So ist bei Rilke die Freiheit von einer jeden lyrischen Tradition am Anfang der Freiheit des Jazzmusikers am Ende durchaus ähnlich; gemeinsam finden Sie in die Balance.

     Was uns hier fasziniert, ist dass die Idee von »Lyrik & Jazz« in der DDR zuerst erschien, 1963. Allein in der Saison 1964/65 fanden über hundert Konzerte in vielen Städten der DDR statt; die Idee war zu einem überwältigenden Erfolg geworden. Im damaligen Westen war es zur gleichen Zeit zu einem ähnlichen großen Erfolg gekommen: Klaus Kinski und François Villon.

     Kinski hatte die einmalige Idee gehabt—wenn auch ohne Musik—, in Kinos der gesamten Bundesrepublik zur Spätvorstellungszeit zu sprechen: damit hatte er schöne Säle mit bequemen Sitzgelegenheiten zu guten Bedingungen, wo immer er auch gastieren wollte. Gegen Ende der '60-er Jahre kam es zur ähnlichen Erfolgen in ganz Deutschland, haupt-sächlich mit Texten von Gottfried Benn, aber auch von Hermann Hesse und anderen.

     Eckart Rahn hatte für eine dieser LPs, Benn, gesprochen von Hans-Dieter Zeidler, drei Stücke zur Verfügung gestellt aus seiner ersten musikalischen Tonträgerproduktion überhaupt aus dem Jahr 1966, Swinging Macedonia von Dusko Goykovich. Die Erinnerung daran was der Anfang der Idee zu dieser Veröffentlichung.

 

 

 

acquis edition 15044-2

Das Schloss Duino nahe Triest an der italienischen Adriaküste

In Vorbereitung:

 

Henri Michaux

Ich schreibe dir aus einem fernen Land

 

Gelesen von Amélie Sandmann

Musik von John Coltrane

 

acquis edition 15045-2

 

 

 buy from celestial harmonies: US $ 15.00

Acquis Edition Eckart Rahn

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