CD-Highlights März 2001

* 13195 FRANZ SCHUBERT: SONATA B FLAT MAJOR D 960/3 KLAVIERSTÜCKE D 946 - NIKOLAUS LAHUSEN

An guten, seriösen Einspielungen der letzten Klaviersonate Schuberts herrscht wahrlich kein Mangel. Ich nenne hier nur meine absoluten Favoriten; Schnabel, Richter, Haskil, Curzon. Trotz dieser gewaltigen Konkurrenz hat mich die jüngste Einspielung des jungen deutschen Pianisten Nikolaus Lahusen auf eine ganz besondere Weise verzaubert und berührt, denn kaum ein anderes Mal schien mir der „Ton“ Schuberts, der so unendlich schwer zu treffende spezifische Klangcharakter dieses kontemplativen, verinnerlicht-lyrischen Schlusswortes, dieser ruhigen Läuterung von alter irdischen Seelenqual so genau getroffen, so sanft und empfindlich in ein wärmendes Farbenspiel getaucht wie in dieser auf einem phantastisch klin genden historischen Hammerflügel ausgeführten Interpretation. Gewiss besitzt das 1835 in Wien von Conrad Graf gebaute Instrument mit seinem reinen Holzrahmen, seinen lederummantelten Hämmern ein ganz anderes „historisches“ Flair als ein moderner brillanter Steinway, aber entscheidend ist Lahusens Fähigkeit, die wirklichen Qualitaten des Museumstücks zu reanimieren, das heißt, seinen jedem modernen Flügel weit überlegenen Farbenreichtum zu entfalten und das Spiel mit den Registern und den Pedalen zu vielfältigsten Klangabstufungen zu nutzen, sodass diese oft genug in pure Tristesse versinkende Sonate hier wie ein lebendiger, sinnlich glänzender Organismus, wie eine letzte große Konzentration auf das Leben und als geläuterter Seelengesang erscheint. „Wenn ich dieses Werk beginne“, schreibt Lahusen im Booklet „versinke ich in eine tiefere, innere Welt, durchlebe alle Ebenen und tauche am Ende als gereinigter, erlöster und befreiter Mensch wieder auf.“ Wer sich darauf ernsthaft einlässt, kann diese wunderbare Erfahrung hier nachvollziehen. (71:07)

  • Attila Csampai